Die spätmittelalterlichen Einhorn-Teppiche in Paris und New York

Luxemburg, 2008, ISBN: 978-99959-6-110-7 (40 €)

 

Die Pariser Bildteppiche der ’Dame à la Licorne’ gleichen einer Projektionsfläche: Seit ihrer Ausstellung im Pariser Mittelaltermuseum wurden immer neue Interpretationen für das Dargestellte gefunden. Auch über ihre Entstehungsgeschichte ist die Fachwelt sich weiterhin uneinig. Die vorliegende Studie unterscheidet zwischen zwei Etappen, einer anfangs auf höfische Repräsentanz gerichteten Zielsetzung und einer späteren Anpassung an ein bürgerliches Milieu.

 

Gedeutet wird die Tapisserie-Folge als künstlerische Parallele zu Marsilio Ficinos neuplatonischer Philosophie: Die Protagonistin stellt die „Weltenseele“ dar; die ihr zur Hand gehende Begleiterin verkörpert das aktive Prinzip, die „Quintessenz“. Dabei erweist sich jeder Teppich als Allegorie eines Sinnes, eines Wochentags, einer Gottheit, eines Gestirns, einer Muse, einer Tugend, einer Etappe des anthroposophischen Werdegangs.

 

Das alchemistische Meisterwerk lässt sich auf einen Vertreter der „Ästhetik des Rätselhaften“ zurückführen. Dieser Künstler ist auch der Urheber der nicht weniger berühmten ’Einhornjagd’ in The Cloisters in New York.